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Berichte 2015
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Videos Jahreskonzert 2015


Für alle, die leider nicht selbst dabei sein konnten, oder aber die Highlights noch einmal hören möchten, gibt es endlich einige Stücke aus unserem Jahreskonzert online. Viel Spaß beim Anschauen.

Pirates of the Carribean: Dead Man's Chest (Hany Zimmer, Arr. Jay Bocook)

 
Watchman - Tell us of the night (Mark Camphouse) 

 
Nessaja (gemeinsam mit Jugendorchester):

 
Musik-Diamant funkelt strahlend hell PDF Drucken E-Mail

Orchesterverein Stadtkapelle meistert beim Jahreskonzert höchste technische und künstlerische Ansprüche / Nachwuchs kommt fast zu kurz

Natürlich plant ein Orchester sein Programm lange Monate im Voraus - dennoch hätte die Werkauswahl, die der Orchesterverein Stadtkapelle am Sonntagabend vor nahezu ausverkaufter Stadthalle präsentierte, passender kaum sein können. Großartige Musikstücke über Themen, die das Scheitern des Menschen in seiner Großmannssucht verarbeiten und wie als Zeiger auf die aktuellen Ereignisse, von denen die Menschheit in den letzten Tagen und Wochen erschüttert wird, ein Auszug aus dem 1980 in Paris welturaufgeführten Musical "Les Misérables".

Claude-Michel Schönbergs eingängige und vielfarbige Musik gaben die 45 jüngsten Musiker der Stadtkapelle, darunter auch die Orchester-Minis und das Juniororchester. Die zehnjährigen Kinder gaben Jean Valjeans dramatische Geschichte auf packende, rührende, fesselnde Art und Weise.

Glanzstück des - wie immer zu kurzen - Auftritts des Jugendorchesters war aber Michael Geislers "Hindenburg", eine musikalische Aufarbeitung der Luftschiff-Katastrophe von 1937. Die schwebenden Klänge des Intros meisterten die talentierten Instrumentalisten, deren Gesamtklang bereits ausgesprochen beeindruckend ist, unter der bewährten Leitung von Alexander Sixt ebenso spielend, wie die wuchtigen Passagen des Unwetters, die dämonische Grundstimmung, die gänsehautschwangere Ergriffenheit angesichts der Explosion.


Jahreskonzert_2015

Bis in die feinsten Nuancen differenziert: Dirigent Dominik M. Koch (vorne links) führt das Hauptorchester zu Höchstleistungen. Die Musiker meisterten auch anspruchsvolle Stücke exzellent. 
© Schwindtner
 

Kilian auf Konzertmeister-Platz

Solistisch brillierten dabei vor allem Lena Störmer und Saskia Krämer (Oboe), Martin Jacob (Trompete) und ganz besonders Vincent Kilian (Klarinette), der zu Recht auf dem Platz des Konzertmeisters saß.

Der tosende Applaus und die fast schon erzwungene Zugabe sollten dafür sorgen, dass im kommenden Jahr die "Kleinen" noch etwas mehr zeigen können - denn zu zeigen haben sie Außerordentliches.

Thematisch bei den Katastrophen blieb auch das Hauptorchester, das mit Piet Swers "The Titanic Saga" in fast 20 Minuten eine zeitgenössische, höchst expressive Fantasie zum Untergang des "besten Schiffes, was die Menschheit damals zu bieten hatte", vorstellte. Das Orchester zeigte schon hier seine für ein Laienensemble einzigartige Größe.

Zu noch brillanterer Interpretation - die technischen Fertigkeiten sind bei einem Orchester dieser Qualität ohnedies vorausgesetzt -führte Dominik M. Koch, der wie immer mit einem an Ästhetik kaum zu überbietenden Dirigat glänzte, das Orchester mit "Watchman, Tell us of the night" des amerikanischen Blasmusik-Komponisten Marc Camphouse. Das in einer oft surrealen Tonsprache angelegte Werk behandelt musikalisch das Schicksal misshandelter Kinder: ihre seelischen Wunden, ihre Angst, das Trauma, aber auch die Hoffnung auf Besserung und Heilung.

Zahllose Untiefen gemeistert

Das atmosphärisch hochgradig verdichtete Stück mit seinen zahllosen Untiefen, außergewöhnlichen Tonartmischungen, mit seinen verschleierten Metren und vor allem mit seiner ungemein berührenden emotionalen Sprengkraft gab die Stadtkapelle bis in die feinsten Nuancen differenziert.

Die Tonsprache blieb auch dann sauber, wenn Camphouse kurz davor ist, die Tonalität ganz zu verlassen, wuchtig im Tutti, mit scharfen fast schneidenden Oboen, in gespenstisch bedrohlicher Atmosphäre im gedämpften Blech und dem dezenten Schlagwerk.

Dem Publikum stockte der Atem und der Applaus ließ eine Schrecksekunde auf sich warten - was beweist, wie treffsicher das Orchester Camphouse zu interpretieren verstand. Ein solches Programm kann ein Laienorchester sich eigentlich gar nicht leisten - zu schwer von den Themen, noch mehr aber von den künstlerischen Ansprüchen. Dass es die Stadtkapelle dennoch konnte, zeigt die exzellente Klasse, die das Orchester erreicht hat und die es immer weiter ausbaut.

Darüber darf auch das fast ein wenig provinziell angeschlossene Doppel aus "Fluch der Karibik" und Udo-Jürgens-Medley, dessen Ausgelassenheit den "Watchman" letztlich verdrängte, nicht hinwegtäuschen: Als zur zweiten Zugabe alle 100 Instrumentalisten der Stadtkapellen-Orchester auf der Bühne standen, hatte auch dieses Jahreskonzert wieder bewiesen, welchen Musik-Diamant die Rennstadt da beheimatet.

 

© Hockenheimer Tageszeitung, Dienstag, 24.11.2015


 
Musikerschar ruft Jubelstürme hervor PDF Drucken E-Mail

AGV Belcanto und Stadtkapelle starten mit gemeinsamem Konzert ins Jahr / Bühnenshow mit Choreographie reißt Publikum mit

Das neue Jahr kulturell einzuläuten ist dem traditionellen Neujahrskonzert auch in diesem Jahr zumindest terminlich nicht gelungen - einen künstlerischen Glanzpunkt konnte das Musik-Doppel aus Stadtkapelle und AGV Belcanto aber schon setzen im noch jungen Jahr 2015.

Wie zuletzt vor fünf Jahren gaben die insgesamt rund 100 Instrumentalisten und Sänger am Sonntag in der Stadthalle ein Programm zum Besten, das synonym für die Kulturlandschaft zwischen Ring und Wasserturm stehen könnte: Von künstlerischem Genius wahrer Hochkultur bis zu den gefälligen Hits der Unterhaltungsmusik war alles dabei - immer in durchaus reizvollen aber doch harten Brüchen und alles in einer ganz ausgezeichneten Qualität.

Förmlich auf den Punkt gebracht haben die beiden Ensembles das gleich zum Auftakt mit dem Marsch Nummer eins aus "Pomp and Circumstance": Das feierliche "Land of Hope and Glory" wird traditionell bei der "Last Night of the Proms", dem Abschlusskonzert der Londoner Sommerkonzertreihe, gegeben - in einer für die Briten ungewohnten Ausgelassenheit.

So feierlich Chor und Orchester mit Edward Elgars "Gassenhauer" zusammenfanden, so vielschichtig präsentierten sie sich anschließend mit Brymers und Custers Melange "A Concert Celebration": Von zart mit "Music of the Night" aus dem "Phantom der Oper", bis zum beschwingten "Joseph" - in allen Lagen machten sie der Zusammenstellung der Webber-Evergreens alle Ehre.

Neujahrskonzert_2015

Ein Musik-Doppel, das überzeugt: Mit rund 100 Instrumentalisten und Sängern liefern die Stadtkapelle und der AGV Belcanto ein Prgramm, das an Hochkultur grenzt. 
© Schwindtner
 

Stimmen und Show überzeugen

Der AGV Belcanto setzte bei seinem "Alleingang" zusammen mit Chorleiter Özer Dogan auf große Hits und herausragende Solisten: Ob das zärtliche "I'm alive" aus dem Film " Das letzte Einhorn", die "Unchained Melody" aus "Ghost", Cohens "Hallelujah" oder Hawkins "Oh Happy Day" - der Chor, aber auch die ganz bezaubernden Einzelstimmen unter anderen von Romina Afflerbach, Karen Fessler und Anne Rosenberg konnten überzeugen, mehr aber noch mit einer tollen Bühnenshow mitreißen. Jessica Wooley hat den Sängern gehörig Bewegung eingetrichtert - eine richtige Choreographie schlug ein und entlockte dem Publikum ein ums andere Mal wahre Jubelstürme.

Zwei Leckerbissen aus ihrem breiten Repertoire symphonischer Musik servierte die Stadtkapelle: James Barnes "Appalachian Overture" und José Alberto Pinas "The Legend of Maracaibo". Ersteres ein eingängiger, sehr melodiöser Streifzug durch die Weiten der nordamerikanischen Prärie, den die 45 Instrumentalisten unter dem von allen Seiten auch für seine ästhetische Schönheit gelobten Dirigat Dominik M. Kochs wundervoll einfühlsam und breit ausspielten, und ein Vorgeschmack auf die Klasse, die das Orchester anschließend mit Pinas bewegtem und tief bewegendem Meisterwerk zur Seeschlacht vor dem spanischen Vigo gleichsam als Hauptgang und künstlerischen Höhepunkt des Konzerts servierte. Die erzählerische, sich dramatisch verändernde Grundstimmung und die zahllosen Finessen unterstrichen den Genius des Orchesters, das die rhythmischen Verwerfungen, die harmonischen Brüche und atmosphärischen Verdichtungen ebenso glänzend intonierte, wie mit Tiefgang interpretierte. Grande!

Groß auch die wieder gemeinsam präsentierten Werke. Drunter sind vor allem Carl Orffs "Carmina Burana", in der Chor und Orchester in einer wuchtigen, sehr präzisen Umsetzung auf Augenhöhe und mit gewaltiger Durchzugskraft mitrissen, John Williams beseelt berührende "Hymn to the Fallen" und der 2012er Bond-Hit "Skyfall", mit dem Anne Rosenberg noch einmal zeigte, dass auch eine Adele in ihr steckt, hervorzuheben.
 

Tontechnik weiterhin unausgereift

Bleibt die Tragik der mangelhaften Tontechnik: Vor allem der Chor musste dabei erneut Federn lassen. Die Großzügigkeit von OB Dieter Gummer, der just für die künftigen Neujahrskonzerte die Kostenübernahme durch die Stadt zugesagt hatte, sollte ein paar mehr Mikrofone, ein Mischpult im Saal und eventuell die Einbeziehung des Orchestergrabens möglich machen.

Sei's drum: Der tosende Applaus, die mit Heftigkeit skandierten Zugabe-Rufe und die strahlenden Gesichter im Publikum waren sichtbarer Ausdruck für das, was man zuvor schon gehört hatte: einen grandiosen Einstieg ins neue Musikjahr!

 

© Hockenheimer Tageszeitung, Dienstag, 13.01.2015


 
Auf einem hohen Niveau zurück zu den Wurzeln PDF Drucken E-Mail

Unterhaltsam-spritziges Sommerkonzert auf der Seebühne / Nachwuchs und Hauptorchester bieten musikalische Rundreise von Spanien bis nach Amerika

Mit einem unterhaltsam-spritzigen Sommerkonzert auf der Seebühne verabschiedete sich der Orchesterverein Stadtkapelle in seine wohlverdiente Sommerpause: Die musikalische Rundreise vom spanischen Katalonien über den Dschungel, die britischen und irischen Inseln bis nach Amerika nutzten die insgesamt rund 90 Instrumentalisten, um ihr Publikum, das den herrlichen Sommerabend nutzte und die Stühle und eifrig herbeigeschleppten Bänke bis auf den letzten Platz füllte, in erster Linie zu erfreuen. Es gab keine halsbrecherischen Ausflüge in künstlerische Höhenlagen und keine Versuche mit zeitgenössischen Experimentalkomponisten. Dass man dennoch ein hochkarätiges Programm abliefern konnte, das bodenständig und doch begeisternd war, zeigte einmal mehr die Klasse und überzeugende künstlerische Höhe der beiden Orchester.


Sommerkonzert_2015

Lieferte einmal mehr ein großartiges Konzert ab: die Stadtkapelle mit ihrem musikalischen Leiter Dominik M. Koch auf der Seebühne. 
© Lenhardt
 

Dynamisch in den Dschungel

Traditionell viel zu kurz war der Auftritt des rund 40 Spieler starken Jugendorchesters, das in nur 15 Minuten ein Medley "Cataluna" mit spanischen Rhythmen und drei "Probierhäppchen" aus dem Phil-Collins-Musical "Tarzan" gab. Die Jugend wählte unter der Leitung von Alexander Six einen ungewohnt ruhigen, bedächtigen Einstieg, der selbst im rasanteren Mittelteil bei weitem nicht so sprühend und entfesselt wirkte wie sonst. Der Gang in den Dschungel hat dann allerdings den Fuß von der Bremse genommen - dynamisch spannend gab man die Auszüge aus dem 2008 zunächst in Hamburg uraufgeführten Musical und vor allem das vierköpfige Schlagwerk hatte alle Hände voll zu tun, bevor man mit einem wunderbar breit ausgespielten, emotionalen "You'll be in my Heart" Lebendigkeit, Hingabe und explosive Lebensfreude miteinander verband und eine erste Zugabe am Abend provozierte.

Homogen und vielschichtig

Die "Großen" vom Hauptorchester eröffneten mit "Army of the Nile", einem Marsch des britischen Komponisten Kenneth J. Alford, ihren eigenen Konzertteil "Back to the Roots": Traditioneller, als man das von der experimentierfreudigen Stadtkapelle gewohnt ist, aber gewirkt in bestem Tuch und prunkvollem Putz mit unzähligen reizvollen Details. Das fand sich sowohl in Tatebes "Suite of Celtic Folk Songs" wieder, die zwar schon in der Komposition eher wie Orchestermusik mit keltischen Motiven klingt, die aber fraglos berührend und unmittelbar wirkte, als auch im künstlerischen Highlight des Abends, James Barnes "Appalachian Overture" wieder.
Ganz genüsslich lenkte Dirigent Dominik M. Koch seine rund 50 Instrumentalisten durch einen wunderbar voranschreitenden, von Soli (Martin Jacob, Trompete, Sarah Jakob, Querflöte) durchzogenen musikalischen Streifzug durch die nordamerikanischen Landschaften, umgesetzt in einem homogenen und doch vielschichtigen Klang, in dem sich perfektes Timing, technische Klasse und eine fantasievolle Interpretation begegnen.

Hommage an Jürgens und Cocker

Eine Hommage an zwei im Dezember vergangenen Jahres verstorbene Musikgrößen rundete das Programm, das einerseits inhaltlich an die Zeiten erinnerte, bevor sich die Stadtkapelle - damals unter dem legendären Rüdiger Müller - aufmachte zu neuen Ufern, das aber doch sehr viel weiter entwickelt und klanglich in einer deutlich anderen Liga spielt, ab: Tinners Arrangement von Udo Jürgens "Ich war noch niemals in New York" und Wössners Adaptation bekannter Joe-Cocker-Hits. Der kantig-raue Blues- und Rock-Opa in einem warmen, von der Nostalgie und der Erinnerung etwas geglätteten Habitus, das zum Träumen einlud und manches "Ach ja" hervorlockte.
Dieses Konzert der Stadtkapelle suchte den Weg zurück zu den Wurzeln - und präsentierte doch Orchester, die in ihrem künstlerischen Niveau meilenweit von "früher" entfernt sind. 

© Hockenheimer Tageszeitung, Montag, 13.07.2015